Ein Besuch in der Fuggerei

Heute kennt man viele soziale Einrichtungen, die armen, kranken oder alten Menschen helfen sollen.

© Fuggersche Stiftungen

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Doch auch schon 1521 hatten die Fugger eine gute Idee, um ihren Reichtum mit den Augsburgern zu teilen. Also ließ Jakob Fugger „der Reiche“ ein kleines Dorf erbauen, in dem man unter zwei Bedingungen wohnen durfte. Erstens musste man Augsburger sein. Heute bedeutet das, einen deutschen Pass zu haben und in Augsburg zu wohnen. Zweitens musste man unverschuldet in Not geraten sein. Man erfüllt diese Bedingung also, wenn man beispielsweise nur eine kleine Rente erhält, von der es sich nicht gut leben lässt. Handwerker und Tagelöhner, die bedürftig sind, waren erlaubt, Bettler hingegen nicht.

Erst dann hatte man die Möglichkeit, in der Fuggerei wohnen zu dürfen. Miete musste man trotzdem zahlen, aber die bestand aus einem Rheinischen Gulden pro Jahr – ein guter Arbeiter verdient einen Gulden pro Woche – und aus drei Gebeten für die Stifterfamilie pro Tag. Das Glaubensbekenntnis, das Vater unser und das Ave Maria. Da Evangelische letzteres nicht beten, werden sie auch nicht aufgenommen. Früher hatten Christen große Angst davor, dass sie nicht in den Himmel kommen würden. Mit den Gebeten waren die Fugger also sozusagen abgesichert.

© Fuggersche Stiftungen

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Mit meiner Klasse nehme ich an einer Führung durch die Fuggerei teil. Als erstes besuchen wir ein schlichtes Haus, in dem die Kinder auf Stroh schliefen. Nur die Eltern hatten ein Bett. Für frühere Verhältnisse waren die Wohnungen dennoch großzügig geplant. In der Stube gibt es einen Hebel, mit dem man die Türe öffnen kann. Draußen sehen wir uns dann die Klingel an. Uns fällt auf, dass die Klingeln an jedem Haus unterschiedlich aussehen. Die Führerin erklärt uns, dass dies ein Erkennungsmerkmal war, wenn man abends ohne jegliches Licht nach Hause finden musste.

Ein paar Straßen weiter betreten wir das moderne Haus. Hier sehen wir die Einrichtung, die die heutigen Bewohner der Fuggerei haben. Im Gegensatz zu früher hat heute jede Wohnung ein Bad mit Toilette und Dusche. Allerdings müssen die Bewohner heute zusätzlich zu der Kaltmiete von inzwischen 88ct auch noch monatlich einen Beitrag von 85€ für Wasser und Strom zahlen.

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Wir gehen weiter durch einen Innenhof und kommen zu einer Treppe, die unter die Erde führt. Dort war der Luftschutzbunker, der während dem zweiten Weltkrieg errichtet wurde. Heute findet sich dort ein kleines Museum. Auf unserem Weg zurück sticht uns ein Schild ins Auge. Wir lernen, dass Franz Mozart, der Urgroßvater von Wolfgang Amadeus Mozart, hier wohnte. Übrigens schauen die Fugger-Familien zwischendurch noch immer nach dem Rechten und verwalten die Fuggerei.

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