Interview mit der Autorin Roxanne Rivington

Viele lesen für ihr Leben gern, andere träumen davon, eines Tages ein eigenes Buch veröffentlichen zu können. Roxanne Rivington konnte sich diesen Traum bereits erfüllen. Wir trafen die Autorin von „Voodoo Girl“ für ein Interview in der Augsburger City Galerie.

Roxanne_Rivington

Foto: Terzo Algerí

Wann hast du mit dem Schreiben begonnen?
Sobald ich schreiben konnte, also irgendwann in der Grundschulzeit. Ich habe sehr gern gemalt und irgendwann begonnen, meine Bilder mit kleinen Versen zu versehen. So sind die ersten Geschichten entstanden. Ich erinnere mich an ein Märchen mit dem Titel „Die Marienkäferhochzeit“. Ich bin froh, dass es verschollen ist.

War es schon immer dein Wunsch, Autorin zu werden?
Offen gestanden, nein. Meine Traumberufe waren Flugbereiterin oder Tänzerin, aber für beides war ich viel zu klein. Schwimmerin oder Malerin wäre ich auch gern geworden. Obwohl ich schon immer gern geschrieben habe, dachte ich ans Bücherschreiben erst im Alter von Mitte Zwanzig. Aber ich hatte noch nicht die passende Idee. Mittlerweile ist aus dem Wunsch, Autorin zu sein, ein Lebensziel geworden. Es wäre einfach wunderbar, vom Schreiben leben zu können.

Natürlich, damit wäre Beruf mit Hobby verbunden – und du könntest arbeiten, wo und wann du willst. Auf deiner Trauminsel Fuerteventura, zum Beispiel.
Na ja, zunächst einmal von zu Hause aus, das ist schon sehr vorteilhaft. Wenn mir gerade etwas einfällt, kann ich es sofort aufschreiben, in jedem Zimmer liegt ein Notizblock griffbereit. Der Nachteil ist, dass es irgendwann chaotisch wird, wenn im ganzen Haus Notizen und angefangene Manuskripte verteilt sind.

Blickst du durch das Chaos denn noch durch?
Ich muss gestehen, nicht immer. Dann weiß ich, dass es Zeit zum Aufräumen ist.

Hast du dir irgendeinen Schriftsteller als Vorbild genommen?
Keinen bestimmten, aber ich denke, es gab eine Menge Einflüsse von Autoren, die in ihren Geschichten immer etwas Humor einfließen lassen. Ganz gleich, ob das ein Kriminalroman war oder eine Fantasygeschichte. Humor ist unglaublich wichtig für mich. Du weißt ja, dass ich nicht einmal eine Suizid-Geschichte ohne Humor schreiben kann.

Ja, und da ich Humor in Büchern liebe, hast du damit genau meinen Geschmack getroffen.
Dankeschön, das freut mich wirklich sehr. Es ist nicht immer einfach, die richtige Dosis zu finden.

Hörst du Musik, während du schreibst?
Das würde ich eigentlich gern, aber ich fürchte, Musik lenkt mich zu sehr ab. Ich liebe Musik, und wenn ein gutes Stück gespielt wird, konzentriere ich mich automatisch aufs Zuhören. Die Konzentration aufs Schreiben ist dann natürlich im Eimer. Also schreibe ich lieber, wenn es mucksmäuschenstill ist.

Woher nimmst du deine Ideen?
Eigentlich suche ich nicht nach Ideen, es ist eher so, dass sie mich finden. Das ganze Leben ist Inspiration, gute Geschichten finden sich überall. Man muss nur richtig hinsehen.

Und was hat dich dazu inspiriert, »Voodoo Girl« zu schreiben?
Das war ein Gespräch mit einer Freundin über Literatur, Jugendbücher und Harry Potter. Plötzlich kam mir der Gedanke „Warum nicht über echte Magie schreiben?“ in den Sinn. Also Zauberei, die tatsächlich einen Platz in unserer realen Welt hat: Voodoo. Meine „Heldin“ sollte Zoé heißen, die grobe Handlung wusste ich auch schon. Das alles war mir innerhalb von ein paar Sekunden klar.

Bist du bei deiner Recherche noch auf andere Magie gestoßen, die echt ist?
Na klar. Wenn man erst einmal danach sucht, scheint die ganze Welt aus Magie zu bestehen. Der Wicca-Glaube ist mir zum Beispiel begegnet. Aber weil »Voodoo Girl« auch mit den Taino zu tun hat, habe ich mich vor allem mit der Magie der Urbevölkerung Südamerikas und in der Karibik befasst. Leider sind die Taino ja ausgestorben.

Du meinst wohl „ausgerottet“.
Oh, das hast du dir gemerkt? Gut aufgepasst. Natürlich meine ich „ausgerottet“, Jamie wäre sonst ziemlich sauer auf mich.

Siehst du selbst Voodoo als eine Art Sekte an oder als Religion?
Voodoo ist tatsächlich eine Religion. Nur ist uns das in Europa überhaupt nicht bewusst. Vor meiner Recherche war Voodoo für mich eine Art Hokuspokus, der irgendwie mit Zombie-Filmen zu tun hatte. Ich wusste auch nicht mehr als Zoé oder Mrs Adams. Dass Voodoo eine der ältesten Religionen der Welt ist, hat mich sehr überrascht. In Haiti und Benin ist Voodoo als offizielle Religion anerkannt.

Hat Voodoo dich genug begeistern können, um es selbst einmal auszuprobieren?
Du meinst, ich opfere einem Loa meinen Cappuccino, damit »Voodoo Girl« ein Bestseller wird? Eigentlich keine schlechte Idee. Aber trotzdem nein, ich habe die Magie nie ausprobiert, obwohl mich der Voodoo total fasziniert. Er ist nicht meine Religion, und ich denke, man muss an Voodoo glauben, um sich darin zu versuchen.

Glaubst du an ein göttliches Dasein oder bist du Atheist?
Ich würde mich als Agnostikerin bezeichnen. Ich muss nicht wissen, ob es einen Gott gibt oder nicht. Wenn es so ist, dann ist das in Ordnung. Wenn nicht, dann auch. Ich lasse mich einfach überraschen, ob Gott oder der Bon Dyé vor mir stehen, wenn ich mal tot bin.

Gab es auch Teile im Voodoo, die dich an andere Religionen erinnert haben?
Nicht unbedingt an andere Religionen, sondern an eine fiktive magische Welt: Ich bin auf „Horkruxe“ gestoßen. Im Voodoo geht man davon aus, dass man Teile seiner Seele in ein Gefäß sperren kann. Es muss unbedingt einen Deckel haben, damit die Seele nicht ausbüxt. Eine Müslischale geht also nicht.

Die Hauptperson im Buch, Zoé, sucht in Haiti nach ihren Wurzeln. Verbindest du irgendeine Person aus deinem Leben mit ihr?
Mit Zoé verbindet mich einiges. In meiner Jugend war ich auch eher introvertiert und melancholisch. Und genau wie sie kann ich einfach so auf dem Wasser herumliegen. In Zoés Alter war ich jeden Tag im Schwimmtraining. Auch Jenny hat etwas von mir, ich brülle mir in der Geisterbahn die Seele aus dem Leib, damit die Betreiber nicht frustriert sind. Und wie Pater Finn habe ich eine „Das-ärgert-mich-jetzt“- und eine „Das-ärgert-mich-immer“-Liste.

Mehr über die beiden Listen und Antworten auf viele weitere Fragen folgen nächste Woche im zweiten Teil des Interviews!

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