Latein – eine tote Sprache. Oder eben doch nicht?

An vielen deutschen Schulen wird nach wir vor Latein als Fremdspreche angeboten – das Lernen der „toten Sprache“ soll das Erlernen weiterer Fremdsprachen erleichtern und das logische Denken fördern.

LateinunterrichtLatein lebt in vielen anderen Sprachen weiter, ungefähr die Hälfte der englischen Wörter sind beispielsweise vom Lateinischen abgeleitet. Das bedeutet nicht, dass man aus Sprachen wie Französisch keine Wörter ableiten kann, aber hilfreich ist es sicherlich.

Zwar braucht man Latein nicht unbedingt, um Medizin zu studieren (das hängt von der Universität ab), aber es erleichtert einiges. Und das ist nicht nur in der Medizin so, sondern auch in Fächern wie Archäologie, Geschichte, Jura, Philosophie und Dolmetscher. Wenn man sich irgendwo bewerben will, schadet es sicher auch nicht, das kleine oder sogar das große Latinum vorzeigen zu können.

Auch kann Latein dazu helfen, besser mit der Grammatik in unserer eigenen Sprache klar zu kommen. Vor allem für Legastheniker ist Latein sinnvoll.
Aber nicht nur wegen der Sprache an sich, sondern auch wegen der Themen macht der Lateinunterricht Sinn. Es geht um Mythen, Politik und auch um Werte und Fragen eines jeden Menschen. Was heißt „glücklich leben“ und gibt es ein Leben nach dem Tod? Hier kann viel diskutiert werden, als Stütze bieten sich die Schriften der Dichter und Philosophen der damaligen Zeit. So lernt man auch die Werte der Stoa und des Epikureismus kennen. Aber auch die Römer haben strenge Regeln, allen voran geht es um die Ehre der Vorfahren.

Lateinische Inschrift

Auf zahlreichen Gebäuden und Denkmälern sind auch heute noch lateinische Inschriften zu lesen.

Die Texte beschreiben beispielsweise den römischen Alltag, Sagen, lehrreiche Fabeln, Cäsars „De Bello Gallico“ oder lustige Distichen von Ovid. Aber die Distichen werden nicht nur übersetzt, sondern auch vorgelesen. Dabei gibt es einen Unterschied zu anderen Texten: Die Aussprache ist völlig anders, schließlich ist es ja ein Gedicht. Also muss man erst einmal das Prinzip der Hexa- und Pentameter verstehen, damit man bestimmen kann, welche Silbe kurz, welche lang und welche lang betont ist. Soweit fertig, nun ans Vorlesen. Dieses ähnelt ein bisschen einem Sprechgesang, da kaum eine Pause gemacht wird. Musikalische Leute tun sich dabei etwas leichter.

Ich bereue es nicht, Latein gewählt zu haben.
Warum einige, darunter auch ich, Latein dennoch abgewählt haben, verrät euch meine Freundin in ihrem Beitrag nächste Woche.

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